Wort für Sonntag

P. Anton Weber SVD

Er sei allem sorgfältig nachgegangen, was sich um Jesus, sein Wirken und seine Lehre zugetragen hat, sagt Lukas zu Beginn seines Evangeliums. Er habe auch Berichte zu Rate gezogen, die sich noch auf Augenzeugen stützten, und dann alles aufgeschrieben, um es zuverlässig und wahrheitsgetreu an die Nachwelt weiterzugeben. Als Adressat nennt er Theophilus, der aber auch als Stellvertreter aller an der Wahrheit interessierten Menschen verstanden werden könnte.

Als Lukas und die anderen drei Evangelisten ihre Berichte schrieben, lebten die christlichen Gemeinden schon viele Jahre fast ausschließlich von der mündlichen Überlieferung der Ereignisse um Jesus, den Mann aus Nazareth, den die Christen als Messias verehrten. Den Kern dieser Überlieferung bildeten die Erlebnisberichte der Apostel und der Jünger, die Jesus noch gekannt hatten, als er unter ihnen weilte und denen er sich nach seiner Auferstehung gezeigt hatte.

Es waren wohl zwei Überlegungen, die es notwendig erscheinen ließen, diese Berichte in schriftlicher Form weiterzugeben: Einmal war es die schnelle Verbreitung der christlichen Botschaft, die eine Weitergabe der apostolischen Überlieferung an die christlichen Gemeinden in Palästina, Kleineasien, Griechenland und Rom in Textkopien nahelegte. Ferner bestand die Gefahr, dass sich bei der ungeprüften mündlichen Weitergabe allmählich Irrtümer in den Inhalt und die Grundintention des christlichen Vermächtnisses einschlichen. So entstanden mit der Zeit Texte, von denen die nachapostolische Kirche sagen konnte: Hier handelt es sich um Zeugnisse, die authentisch und glaubhaft wiedergeben, wer Jesus war und was seine Botschaft vom Reiche Gottes und sein Erlösungswerk für die Menschheit bedeuten. Man schrieb die Entstehung dieser Niederschriften, wie sie nun im Neuen Testament zusammengefasst sind, dem Wirken des Heiligen Geistes zu – desselben Geistes, von dem Jesus selbst erfüllt war und den er auch seinen Aposteln versprochen hatte.

Dieser selbe Geist erfüllt aber auch die Kirche und leitet sie durch die Jahrhunderte bis auf den heutigen Tag. Auch jeder einzelne Gläubige wird bei entsprechender Offenheit und ernstlichem Suchen nach der Wahrheit von diesem Geiste Christi geführt. Wenn er die Heilige Schrift zur Hand nimmt und liest, oder wenn er die Texte hört, kann er direkt mit dem Herrn Kontakt aufnehmen. Er oder sie darf sich von ihm angesprochen fühlen und das spirituelle Potential, das häufig ungenutzt und vernachlässigt im Herzen verborgen liegt, kann aktiviert werden und sich kreativ auf den Aufbau eines gesunden christlichen Glaubenslebens auswirken. Nicht umsonst spricht der Heilige Vater so viel von der Freude des Evangeliums und von der damit verbundenen Erneuerung der Kirche.

Jesus selbst ist unser Vorbild in diesem Interesse am Wort Gottes, das in der Heiligen Schrift zu uns spricht. Im heutigen Evangelium heißt es: Zu Beginn seiner öffentlichen Tätigkeit kam er, erfüllt von der Kraft des Heiligen Geistes, zurück nach Galiläa und besuchte dabei am Sabbat auch die Synagoge seines Heimatdorfes Nazareth. Und er ging nach vorne, nahm die Schriftrolle zur Hand – es handelte sich dabei um das Alte Testament – und las daraus vor. Es war ein Text aus dem Propheten Jesaja, einem Propheten, dem sich Jesus ganz besonders verbunden wusste. Inhaltlich ging es, wie so häufig bei den Propheten, um Warnung und Verheißung:

Warnung vor dem Untergang des Volkes, das der Versklavung, der sozialer Ungerechtigkeit, dem Götzendienst, und der Orientierungslosigkeit ausgeliefert war; es ging aber auch um Verheißung: und die bedeutet Befreiung aus der Not und Zurückführung in eine echte Gemeinschaft mit Gott, entsprechend dem Bund, den Gott mit seinen Vorfahren geschlossen hatte. Man kann sich vorstellen, mit welcher Spannung sich die Augen der Gläubigen auf Jesus richteten. Und was dann kommt, ist absolut unerwartet. Jesus spricht nicht so sehr über den Text, sondern der Text spricht durch ihn, und was er verspricht, wird Wirklichkeit: „Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt.“ Und er weist damit direkt auf sein eigenes Zeugnis vom Reiche Gottes hin, das eng mit der Verheißung des Jesaja verbunden ist und durch ihn, Jesus, seine Erfüllung findet.

Dieses „Heute“ Jesu hat seinen Auftrag und seine Gültigkeit bewahrt bis in unsere Zeit. Überall wo Christen, von Glaube und echtem Interesse bewegt, sich dem Wort Gottes öffnen, kann Ähnliches geschehen. Das Wort Gottes mit seiner Botschaft von Gerechtigkeit und Frieden wird zur Tat. Zweifellos war es dieses „Heute“ mit seinem Ruf nach Umsetzung der christlichen Botschaft, die auch Kardinal Paul Shan Guoxi in den letzten Jahren seines Lebens in Taiwan so sehr berührt und stark gemacht hat, dass er sich trotz seines hohen Alters noch ganz in den Dienst der Verkündigung der Frohbotschaft stellte. Sechs Jahre vor seinem Tod war er auf Lungenkrebs im Endstadium diagnostiziert worden. Da man ihm nur noch wenige Monate zu leben gab, schrieb er gleich die Abschiedspredigt für sein Requiem. Zur Verlesung ist es aber über sechs Jahre nicht gekommen.

Sechs Jahre hatte er durchgehalten. Nicht nur das, er hat die verbleibenden Jahre voll eingesetzt zu Verkündigung der Frohbotschaft und zu einem sprechenden Zeugnis für den Wert des Lebens aus christlicher Sicht, aber auch über die Kunst eines menschengerechten Sterbens. Unzählige Menschen lernten ihn durch seine öffentlichen Auftritte in Schulen, Krankenhäusern, Gemeindezentren und Gefängnissen kennen. Einer seiner Freunde aus der nicht-christlichen Welt, der buddhistische Meister Sheng Yan, sagte von ihm: „Im Angesicht des Lebens und im Angesicht des Todes bewahrte Kardinal Shan den Blick nach vorne und verwandelte die schwierigste Situation im Leben des Menschen in eine Gelegenheit, den Menschen zu dienen. Seine Gedanken und seine Weisheit werden uns noch lange Anregung geben zum vertieften Nachdenken über den Wert des Lebens.“ Der Kardinal selbst sah in seiner schweren Krankheit einen „Segen“, öffnete sie ihm doch viele Türen zu einer Gelegenheit, den christlichen Glauben an Nicht-Christen weiterzugeben, und dies in einem Land, wo 97% der Bevölkerung einer anderen Religion angehören oder religionslos leben. Auch für seinen Grabstein hatte sich der Kardinal selbst die Aufschrift gewählt: „In Christus geboren, in Christus gelebt, in Christus gestorben – für immer gehört er Christus an.“

„Frohbotschaft“ nennt die Kirche das, was uns von Jesus Christus in Wort und Tat geschenkt wurde. Frohbotschaft sollte auch alles sein, was wir den Menschen als Christen zu bieten haben. Gott darf nicht in Vergessenheit geraten. Denn nur wo er ist und handelt, da ist Leben, ein Leben, das wächst und die Gesellschaft verwandelt.

HL. MESSEN

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