Wort für Sonntag

Matthias Boensmann, Pfr.

Einer meiner Mitarbeiter sagte einmal zu mir: Du, es gibt ganz viele Menschen, die nicht glauben und doch glücklich sind, denen nichts fehlt. Dasselbe erlebe ich auch in meiner Familie.

Inzwischen glaube ich das nicht mehr – ich habe die Möglichkeit als Seelsorger, hinter die Fassaden zu schauen, und erschrecke oft noch – trotz all der Erfahrung! Nach außen sieht vieles toll aus – dahinter stehen ganz häufig viele persönliche Erlebnisse und Erfahrungen: Da erfahren sich Menschen als getrieben, nicht wirklich frei und in vielen Zwängen. Andere fühlen sich leer und sind müde. Bei einigen fühlt sich das an, wie in einem tiefen (schwarzen) Loch zu stecken. Viele, die aktuell krankgeschrieben sind, erleben Burnout und Depression intensiv im Leben. Bei schwierigen Erlebnissen, die viel abfordern, stehen Sinnlosigkeit und Verzweiflung im Vordergrund. Und vielen ist das berühmte Hamsterrad ein Begriff, wenn man/frau sich fremdbestimmt fühlt und aus der Lage keinen Ausweg findet, sei es beruflich, familiär oder auch im persönlichen Empfinden.

Wenn ich mir solche Situationen anschaue, von denen ich schon einige erlebt habe, dann kann ich als gläubiger Mensch sagen: Durch den Glauben ist mir schon viel geholfen worden. Der Glaube hat aber auch unsere Gesellschaft und Menschheitsgeschichte positiv mitgeprägt, was unser heutiges Menschenbild zeigt, oder auch die Soziallehre und die karitative Ausrichtung vieler kirchlicher und nichtkirchlicher Einrichtungen. Und auch ich habe schon vielen Menschen helfen können, durch mehr oder weniger intensive Begleitung oder Hinweise.

Aber was wertvoll ist, das gibt es nicht umsonst – wie ein Bauer sagte: Was nichts kostet, ist auch nichts wert. Vielleicht ist das auch unser Problem oder wird immer mehr zu unserem Problem. Ein Mitarbeiter einer Firma sagte mir einmal: Es gibt immer mehr Leute, die viel Geld verdienen wollen, aber möglichst wenig dafür tun wollen. Und da wäre die Ebene des Glaubens sofort raus!

Wenn es um den Einsatz von Mühe, Energie und Kraft bezüglich des Glaubens geht, dann sind wir es selbst, die etwas investieren oder es lassen.

Das Evangelium zeigt uns heute Gründe, warum wir so wenig Zeit in den Glauben investieren. Zum einen ist es eine fehlende Entscheidung. Anfängliche Begeisterung und Tradition reichen nicht. Es braucht ein Durchhalten, das uns tiefer führt, und das muss immer wieder genährt werden von einer Grundsatzentscheidung und nachfolgenden kleineren Entscheidungen.

Und es wird nicht viel passieren, wenn der Glaube keine Priorität hat – erst Glaube, dann alles andere – dazu gehört auch die Familie. Wie sehr wir uns als Christen schon an falsche Prioritäten gewöhnt haben, zeigt das Weihnachtsfest, das viele als Fest der Familie bezeichnen würden – das ist es aber nicht. Es ist das Fest, an dem die Gemeinde feiert, dass Gott Immanuel (Gott mit uns) geworden ist, ein Gott, der dem Menschen nahe sein will, und dieses Vorhaben kostet ihn alles. Und diese Nähe soll uns ermöglichen mit den Problemen des Lebens kompetent umgehen zu können, zu wachsen und nicht zu verzweifeln.

In der Gesellschaft, die ja viel auf Schein baut, werden wir uns auch immer ein Stück heimatlos fühlen. Ein Gefühl, das wir nicht so gerne haben. Aber Jesus erspart dem, der ihm nachfolgen will, nicht, dass er ein klares Bild von dem hat, was es zu tragen gilt. Und das Schöne am Glauben ist: es sieht am Anfang nicht unbedingt verlockend aus. Und doch ist es die beste Wahl, die wir treffen können und die sich in unserem Leben immer wieder konkret auszahlt.

Also: Scheuen wir uns nicht, Prioritäten neu zu setzen und wichtige Entscheidungen endlich mal zu treffen – es lohnt sich! Und dazu wünsche ich Zeit und Muße in den Ferien.

HL. MESSEN

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